N O U V E L L E S  A Q U I S I T I O N S



JEAN MANSEL. Fleur des histoires. Französische Fassung nach Jacques de Guises „Annales Hannoniae“ unter dem Titel „Chroniques en brief de Hainaut“. Brügge, ca. 1465-1475. Illuminierte Handschrift auf Pergament mit 17 Miniaturen vom Meister Antons von Burgund und seinem Atelier.


Eine prachtvolle, großformatige Chronikhandschrift der Geschichte des Hennegau (= Belgien) aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Manuskript ist mit 17 Miniaturen illustriert, davon stehen acht nahezu blattgroße Malereien jeweils zu Beginn der einzelnen Kapitel. Die Miniaturen illustrieren Kriegshandlungen und Belagerungen, aber auch wichtige Ereignisse des höfischen Lebens und erlauben so einen seltenen Einblick in die Welt des ausgehenden Mittelalters. Der Maler, in Brügge aktiv in den 60er und 70er Jahren des 15. Jahrhunderts, wurde von den bedeutendsten Bibliophilen der Niederlande mit der Illumination von Luxusmanuskripten betraut, darunter Louis de Gruuthuse und der „Große“ Bâtard de Bourgogne, Anton, nach dem der Meister seinen Notnamen erhielt. Dieses herausragende Manuskript wurde zweifellos für eine bedeutende Persönlichkeit am burgundischen Hof gefertigt. Große Chronikhandschriften wie die vorliegende sind nahezu völlig aus dem Kunsthandel verschwunden, da sie, im Vergleich zu Stundenbüchern und Handschriften für den liturgische Gebrauch, in ungleich kleinerer Zahl hergestellt wurden und zumeist durch ihre hochgestellten Auftraggeber in bedeutende Bibliotheken und somit später in öffentliche Sammlungen kamen. So ist unsere Handschrift das einzig bekannte unabhängige Exemplar dieses wichtigen historischen Textes in Privathand. Das Manuskript ist hervorragend erhalten und hat eine noble Provenienz: die Sammlungen Beriah Botfield und des Marquess of Bath.


GUILLAUME DE DIGULLEVILLE. Pèlerinage de la Vie Humaine et Pèlerinage de l’Ame.
Paris, um 1440. Illuminierte Handschrift auf Pergament mit 201 Miniaturen (!), darunter Frontispizien von einem Maler aus dem Atelier des Meisters der Münchener Legenda Aurea und 196 spaltenbreite aquarellierte Miniaturen vom Meister des Étienne Sauderat aus der Schule des Bedford Meisters.


Die „Pèlerinage“ von Guillaume de Digulleville († 1358) gehört zum bedeutendsten Erbe der volkssprachlichen Literatur des französischen Mittelalters. Dieser ungemein reich illustrierte Kodex vereinigt die beiden zentralen Texte des Zisterzienser-Mönchs in der äußerst seltenen, 1355 fertiggestellten revidierten Fassung, die gegenüber der ersten Redaktion um 5.000 Verse erweitert wurde. Dabei beschreibt die Traumerzählung „Pèlerinage de la Vie Humaine“ den vom Konflikt zwischen Lastern und Tugenden gezeichneten Weg des Pilgers bis zum Tode, während die „Pèlerinage de l’Ame“ das Erleben der Seele nach dem Tod in den drei Sphären Fegefeuer, Hölle und Paradies erzählt. Die überaus reiche Bebilderung des Textes mit über 200 Illustrationen verdeutlicht die Handlung und den moralischen Gang der Erzählung. Als das umfangreichste Werk des Meisters des Étienne Sauderat stellt diese Handschrift der „Pèlerinage“ sowohl für die Geschichte des Textes wie für seine Illustration einen Meilenstein dar.