N E U E R W E R B U N G E N


 

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Guadalupe (Kastilien): Schreiber Juan de Logrosan, um 1506. Lateinische Handschrift auf Pergament mit 27 spaltenbreiten Miniaturen auf 28 prächtigen Schmuckseiten mit floralen und ornamentalen Bordüren. Komplett und im zeitgenössischen Blindprägeband hervorragend erhalten. Diese aussergewöhnliche Handschrift stammt aus dem Monasterio Real de Nuestra Señora de Guadalupe, das im Jahr 1340 nach dem Fund eines wundertätigen Marienbildes von Alfonso XI. von Kastillien gegründet und 1389 von Johann I. von Kastillien dem Hieronymitenorden überlassen wurde. Von der Bedeutung des Klosters als Wallfahrtsort zeugt der Umstand, dass Christoph Kolumbus nach der Entdeckung Amerikas dort seinen ersten Dankesgottesdienst abhielt.

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Fünf Miniaturen aus dem Lektionar

Zu dieser Handschrift gehört ein "Schwestermanuskript", das heute unter der Signatur Ms. Typ. 199H in der Houghton Library in Cambridge (Mass.) aufbewahrt wird und das die exakte Datierung auf das Jahr 1506 erlaubt, da in der Houghton-Handschrift der Schreiber Juan de Logrosan das Kolophon mit dem Jahr der Fertigstellung versehen hat. Neben de Logrosans eindrucksvollen, klaren Textura, deren Majuskeln noch zusätzlich mit intrikatem Federwerk geschmückt sind, beherrschen die 27 farbfrischen und klar strukturierten Miniaturen, sowie die reich ornamentierten Bordüren das Bild dieser luxuriösen liturgischen Handschrift. Man erkennt am Stil der Malereien und des sekundären Dekors eine sehr expressive Mischung aus italienischen und flämischen Stilelementen, was für die spanische Buchmalerei dieser Zeit sehr typisch ist.

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Eine detaillierte, reich bebilderte Beschreibung dieser Handschrift findet sich in unserem Katalog 67: Unterwegs zur Renaissance, Nr. 46.


JEAN MANSEL. Fleur des histoires. Französische Fassung nach Jacques de Guises „Annales Hannoniae“ unter dem Titel „Chroniques en brief de Hainaut“. Brügge, ca. 1465-1475. Illuminierte Handschrift auf Pergament mit 17 Miniaturen vom Meister Antons von Burgund und seinem Atelier.


Eine prachtvolle, großformatige Chronikhandschrift der Geschichte des Hennegau (= Belgien) aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das Manuskript ist mit 17 Miniaturen illustriert, davon stehen acht nahezu blattgroße Malereien jeweils zu Beginn der einzelnen Kapitel. Die Miniaturen illustrieren Kriegshandlungen und Belagerungen, aber auch wichtige Ereignisse des höfischen Lebens und erlauben so einen seltenen Einblick in die Welt des ausgehenden Mittelalters. Der Maler, in Brügge aktiv in den 60er und 70er Jahren des 15. Jahrhunderts, wurde von den bedeutendsten Bibliophilen der Niederlande mit der Illumination von Luxusmanuskripten betraut, darunter Louis de Gruuthuse und der „Große“ Bâtard de Bourgogne, Anton, nach dem der Meister seinen Notnamen erhielt. Dieses herausragende Manuskript wurde zweifellos für eine bedeutende Persönlichkeit am burgundischen Hof gefertigt. Große Chronikhandschriften wie die vorliegende sind nahezu völlig aus dem Kunsthandel verschwunden, da sie, im Vergleich zu Stundenbüchern und Handschriften für den liturgische Gebrauch, in ungleich kleinerer Zahl hergestellt wurden und zumeist durch ihre hochgestellten Auftraggeber in bedeutende Bibliotheken und somit später in öffentliche Sammlungen kamen. So ist unsere Handschrift das einzig bekannte unabhängige Exemplar dieses wichtigen historischen Textes in Privathand. Das Manuskript ist hervorragend erhalten und hat eine noble Provenienz: die Sammlungen Beriah Botfield und des Marquess of Bath.


GUILLAUME DE DIGULLEVILLE. Pèlerinage de la Vie Humaine et Pèlerinage de l’Ame.
Paris, um 1440. Illuminierte Handschrift auf Pergament mit 201 Miniaturen (!), darunter Frontispizien von einem Maler aus dem Atelier des Meisters der Münchener Legenda Aurea und 196 spaltenbreite aquarellierte Miniaturen vom Meister des Étienne Sauderat aus der Schule des Bedford Meisters.


Die „Pèlerinage“ von Guillaume de Digulleville († 1358) gehört zum bedeutendsten Erbe der volkssprachlichen Literatur des französischen Mittelalters. Dieser ungemein reich illustrierte Kodex vereinigt die beiden zentralen Texte des Zisterzienser-Mönchs in der äußerst seltenen, 1355 fertiggestellten revidierten Fassung, die gegenüber der ersten Redaktion um 5.000 Verse erweitert wurde. Dabei beschreibt die Traumerzählung „Pèlerinage de la Vie Humaine“ den vom Konflikt zwischen Lastern und Tugenden gezeichneten Weg des Pilgers bis zum Tode, während die „Pèlerinage de l’Ame“ das Erleben der Seele nach dem Tod in den drei Sphären Fegefeuer, Hölle und Paradies erzählt. Die überaus reiche Bebilderung des Textes mit über 200 Illustrationen verdeutlicht die Handlung und den moralischen Gang der Erzählung. Als das umfangreichste Werk des Meisters des Étienne Sauderat stellt diese Handschrift der „Pèlerinage“ sowohl für die Geschichte des Textes wie für seine Illustration einen Meilenstein dar.